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# „Die Liebe“
- URL: https://hagen.ghost.io/liebe/
- Published: 2026-10-19T06:49:30.000Z
- Updated: 2026-10-19T06:49:30.000Z
- Author: Hagen Felix Piotraschke
- Tags: Kunst

*„Wenn ihr Freunde vergeßt, wenn ihr die Euern all,* 
*O ihr Dankbaren, sie, euere Dichter schmäht,* 
*Gott vergeb es, doch ehret* 
*Nur die Seele der Liebenden.*

*Denn o saget, wo lebt menschliches Leben sonst,* 
*Da die knechtische jetzt alles, die Sorge, zwingt?* 
*Darum wandelt der Gott auch* 
*Sorglos über dem Haupt uns längst.*

*Doch, wie immer das Jahr kalt und gesanglos ist* 
*Zur beschiedenen Zeit, aber aus weißem Feld* 
*Grüne Halme doch sprossen,* 
*Oft ein einsamer Vogel singt,*

*Wenn sich mählich der Wald dehnet, der Strom sich regt,* 
*Schon die mildere Luft leise von Mittag weht* 
*Zur erlesenen Stunde,* 
*So ein Zeichen der schönern Zeit,*

*Die wir glauben, erwächst einziggenügsam noch,* 
*Einzig edel und fromm über dem ehernen,* 
*Wilden Boden die Liebe,* 
*Gottes Tochter, von ihm allein.*

*Sei gesegnet, o sei, himmlische Pflanze, mir* 
*Mit Gesange gepflegt, wenn des ätherischen* 
*Nektars Kräfte dich nähren,* 
*Und der schöpfrische Strahl dich reift.*

*Wachs und werde zum Wald! eine beseeltere,* 
*Vollentblühende Welt! Sprache der Liebenden* 
*Sei die Sprache des Landes,* 
*Ihre Seele der Laut des Volks!“*

Friedrich Hölderlin: „Die Liebe“ (1804)

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