MCU vs. CPU
Hier nun gleich noch eine weitere Unterscheidung bzw. Abgrenzung, und zwar bzgl. der ganz klassischen Leistungsmerkmale von Computern jeglicher Art: Prozessortakt/-architektur, Arbeits-/Massenspeicher, Schnittstellengeschwindigkeit bzw. Datentransferraten usw. — diesmal jedoch vorrangig aus Sicht der Energieeffizienz (und damit in praxi eben oft auch der Langzeitstabilität).
Vieles an unserer bisherigen Rechentechnik im Alltag (PC etc.) hat sich historisch deswegen so entwickelt und etabliert, weil Computer in unserer direkten Lebensumgebung zumeist als Universalmaschinen konzipiert waren.
Und auch oft noch immer sind.
Ein Gerät jedoch, auf dem beispielsweise ein Flugsimulator oder „Egoshooter“ wenigstens halbwegs flüssig laufen kann, ist als „Schreibmaschine“ natürlich hoffnungslos unausgelastet.
Die Hersteller von PC-Prozessoren (CPU) bzw. allen weiteren PC-Hauptkomponenten (Arbeits- und Massenspeicher, Chipsatz der Hauptplatine, Netzteil, Grafikprozessoren usw.) haben beachtliche Fortschritte dabei erreicht, den Energieverbrauch bei geringer Leistungsanforderung stark absenken zu können, doch solchen Techniken sind trotzdem Grenzen gesetzt.
Was in Wohnung und Büro vielleicht nur ein wenig unnötigen Stromverbrauch über längere Zeiträume verursacht, bedeutet in vielen — sehr oft weit weniger offensichtlichen — Installationen jedoch nicht nur Energieverschwendung, sondern auch eine erhebliche Achillesferse in puncto Zuverlässigkeit.
Infolge der bereits erwähnten PC-Historie haben sich bislang leider auch in vielen technischen Anlagen zumeist „Single Board Computer“ (SBC) mit einer solchen CPU wie in PC-Tischrechnern oder Laptops verbreitet, erkennbar zumeist schon einfach daran, dass sie überhaupt einer Apparatur zur Wärmeabfuhr bedürfen (Kühlkörper bzw. oft sogar auch noch einen zusätzlichen Lüfter).
Oft aus Gründen der notwendigen Rechenleistung und/oder Speichergröße, doch was vor einigen Jahren im MCU-Markt noch als äußerst exotische oder gar unvorstellbare Leistung galt, ist mittlerweile ganz selbstverständlich und in größter Vielfalt verfügbar.
So ist derzeit beispielsweise eine sofort einsatzbereite Fertigplatine mit einer Cortex-M7-MCU auf 600 MHz Takt (64 & 32 Bit), 8 MB Flash, 1 MB RAM (+QSPI für Speichererweiterung), 480 Mbit USB (inkl. Host-Funktion), 100 Mbit Ethernet, 3 CAN-Ports, Kryptobeschleuniger usw. für gerade mal ca. 30 EUR erhältlich (nicht die im obenstehenden Bild gezeigte STM32F405-Platine).
Die meisten Gründe bisheriger Praxisanwendungen dafür, auf SBC-Lösungen mit CPU-Technik von PC & Co. setzen zu müssen, könnten hiermit bereits obsolet geworden sein.
