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„Bloodlands“

Titelseite des Buchs „Bloodlands“ von Timothy Snyder
Titelseite des Buchs „Bloodlands“ von Timothy Snyder
„... ist eines jener seltenen Bücher, die mit einem Schlag den Blick auf die Geschichte verändern.“

Und nur selten ist die Eigenwerbung eines Buchverlags zu seiner Publikation — heutzutage meist schon so markant auf den Schutzumschlägen wie die Gruselbilder an den Tabakhüllen — tatsächlich auch so zutreffend wie bei diesem Werk.

Hinterher ist man immer schlauer, lautet die allerorten geläufige Redewendung.

Nicht so schlimm, wenn der Lernfortschritt aus der Erkenntnis eines eigenen Fehlers die temporären Verluste — oder auch Verletzungen — infolge dieses Fehlers noch aufzuwiegen vermag.

Nur einige Jahrzehnte zurückliegend: die von Timothy Snyder so eindringlich aufgezeigten Jahre, in denen das reine Böse alle zivilisatorische Zuversicht hinwegfegen konnte.

Keine Erkenntnis — als Lehre aus der Vergangenheit — sollte einen solchen Preis wert sein müssen.

Umso schlimmer jedoch, wenn nun sogar trotz dieser Mahnung die Gefahren der Gegenwart verkannt werden, verharmlost oder gar ganz verleugnet.

Sicherlich wollte kaum jemand, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Rückständigkeit der zaristischen Agrargesellschaft überwinden wollte, den ersehnten Aufbruch in die Moderne auch schon gleich mit dem Massenmord an der ukrainischen Landbevölkerung erreichen, und gewiss wollte auch nicht jeder Deutsche, der sich in den 1920er Jahren vor etwas wie dem „Kulturbolschewismus“ ängstigte, deswegen bereits alle Kyjiwer Juden in die Schlucht von Babyn Jar treiben.

Doch oft genug gab es vorher noch Momente, das Gemäßigte und Zivilisierte zu bekräftigen, und stattdessen ließ man die Unmenschen gewähren.

Ein Buch, das auf Hunderten Seiten in streng wissenschaftlicher Akribie die millionenfache Auslöschung des unschuldigsten menschlichen Lebens aufzählt, kann notwendigerweise kein Lesevergnügen sein.

In einem historischen Moment, da die jahrzehntelang felsenfest erscheinende Führungsmacht der westlichen Demokratien von einer nur noch korrupten Exekutive nun bereits unverhohlen auf Seiten der Feinde einer freien Welt steht und auch Deutschland möglicherweise schon ernsthaft davon bedroht ist, der bürgerlichen Zivilisiertheit entrissen zu werden, mag es jedoch noch ein hilfreicher Weckruf sein können.

Bevor es zu spät ist.





Snyder, Timothy | Bloodlands
Europa zwischen Hitler und Stalin 1933-1945. 2025. 978-3-406-79394-3. «Bloodlands» ist eines jener seltenen Bücher, die mit einem Schlag den Blick auf die Geschichte verä…