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„Anfänge“

„Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit“ als Hörbuch
„Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit“ als Hörbuch

„Unbeholfen und pubertär, wie sie waren, steuerten diese Gesellschaften buchstäblich auf Probleme zu.

Aber es war an der Zeit, erwachsen zu werden und eine richtige Führung einzusetzen.

Hierarchien bildeten sich aus.

Gegenwehr war sinnlos, weil Hierarchiebildung laut Diamond und Fukuyama unvermeidlich ist, sobald Menschen große, komplexe Organisationen hervorbringen.

Es gab kein Zurück mehr, selbst wenn sich die neuen Anführer erbärmlich benahmen, landwirtschaftliche Überschüsse abschöpften, ihre Lakaien und Verwandten damit förderten, ihren Status dauerhaft und erblich machten, Schädel als Trophäen sammelten, sich Sklavinnen in Harems hielten oder Rivalen mit Obsidianmessern das Herz aus der Brust schnitten.

Schon bald hatten die Häuptlinge andere davon überzeugt, dass sie als Könige oder sogar Kaiser bezeichnet werden mussten.

Denn, wie Diamond uns geduldig erklärt:
»Eine große Bevölkerung funktioniert nicht ohne Führungspersonen, die Entscheidungen treffen, und ebenso braucht sie ausführende Organe, welche die Entscheidungen umsetzen, und Bürokraten, die Entscheidungen und Gesetze verwalten. Pech für alle Leser, die Anarchisten sind und von einem Leben ohne Staatsregierung träumen: Das sind die Gründe, warum ihr Traum unrealistisch ist. Sie müssten einen winzigen Clan oder Stamm finden, der sie aufnimmt, denn nur dort ist niemand ein Fremder, und Könige, Präsidenten oder Bürokraten werden nicht gebraucht.«

Eine unangenehme Schlussfolgerung, nicht nur für Anarchisten, sondern für jeden, der sich jemals gefragt hat, ob es eine gangbare Alternative zum aktuellen Status quo geben könnte.

Wirklich bemerkenswert ist freilich: Solche Behauptungen beruhen trotz ihres selbstsicheren Tons auf keinerlei wissenschaftlicher Evidenz.

Wie wir bald sehen werden, gibt es überhaupt keinen Grund zu glauben, kleine Gruppen seien mit besonders großer Wahrscheinlichkeit egalitär – oder umgekehrt, große Gruppen müssten unbedingt Könige oder Präsidenten haben oder benötigten Bürokratien.

Aussagen wie diese sind nichts als Vorurteile, die als Fakten oder sogar als historische Gesetze präsentiert werden.“

David Graeber und David Wengrow (aus: „Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit“)


Nachdem ich das im Juni 2022 von Audible Studios veröffentlichte Hörbuch (sehr angenehm gesprochen von Frank Arnold, mehr als 26 h Laufzeit) gleich bei Erscheinen zu hören begann, folgten mittlerweile schon mehrere Wiederholungen dieser ebenso lehrreichen wie eben auch einfach nur beglückenden Stunden, verbunden mit dieser ausdrücklichen Empfehlung.

Die in unseren Köpfen seit unzähligen Generationen einbetonierte Unwahrheit, zahlenmäßig größere Gesellschaften von Homo sapiens müssten stets und sozusagen naturgesetzlich zwangsläufig mit den von uns als selbstverständlich wahrgenommenen Hierarchien organisiert gewesen sein, hindert uns leider nur allzu wirksam daran, auch schon im Kleinen das Richtige zu tun.

Umso wichtiger also, diese falsche Verkrustung aufzubrechen — was die neuesten Erkenntnisse der Anthropologie uns nun endlich auch mit handfesten Fakten ermöglichen.

Den leider schon 2020 verstorbenen David Graeber als Vordenker von „Occupy Wall Street“ nur in einem aktivistischen Kontext zu verorten, wäre völlig irreführend, denn tatsächlich ist seine Reputation als Wissenschaftler (Professor für Anthropologie, London School of Economics) erstklassig, er wird sogar »der bedeutendste Anthropologe unserer Zeit« genannt.

Als Hörbuch für mich nicht nur die praktischste, sondern auch die kostengünstigste Alternative, doch mit Gebrauchtstatus auf Papier bzw. als E-Book nun auch schon zu ähnlichen Preisen erhältlich.



Anfänge
David Graeber, der bedeutendste Anthropologe unserer Zeit, und David Wengrow, einer der führenden Archäologen, entfalten in ihrer großen Menschheitsgeschichte, wie