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Alles nur Newton?

S-Pedelec der wiederbelebten Mühlhausener Traditionsmarke Möve¹
S-Pedelec der wiederbelebten Mühlhausener Traditionsmarke Möve¹

Die spezielle 'Magersucht' einiger Rennradfahrer ist seit jeher legendär - und zum Glück auch gar nicht jene lebensgefährliche Erkrankung, bei der das eigene Körpergewicht zur Manie wird, sondern hierbei lediglich dem (nicht selten ohnehin schon etwas übertrieben gehätschelten) Fahrzeug gewidmet.

Angesichts einer ungefähren Gewichtsrelation von 1:5 zwischen Rennrad und Fahrer (sowie der entsprechenden Schwerpunktwirkung) habe ich beim Anblick mancher Radler zwar auch schon im Stillen durchkalkuliert, dass man beim Erleichtern durchaus auch zuerst das eigene Gewicht in Angriff nehmen könnte, statt allein beim Fahrrad mit Karbon und Titan auch noch nur wenige Gramm Ersparnis - oft mit horrendem Aufwand - erreichen zu wollen, aber sei's drum:

Was zählt, ist die bewegte Gesamtmasse!

Womit wir nun auch schon gleich des Pudels Kern im Blick haben, und damit ebenso den physikalischen Irrsinn der bisherigen Elektromobilität, jedenfalls der auf vier (oder mehr) Rädern je Fahrzeug.

Als Reizwort seit einigen Jahren im Kulturkampf hoffnungslos politisiert und auch auf LinkedIn offenbar regelmäßig ein heißes Eisen in der Diskussion - höchste Zeit, hier einmal all die heiße Luft herauszulassen und sich allein auf die gute alte Physik zu besinnen!

In diesem Fall also wohl erstmal auf das zweite Newtonsche Gesetz (und diesbezüglich bitte vorerst noch keine Gedanken an evtl. E-Fahrzeuge mit Rekuperation).

Abgesehen von anderen Problemen (übermäßige Inanspruchnahme des Verkehrsraums, Unfallgefahren, Umweltverschmutzung sogar noch bei Elektrofahrzeugen durch Reifenabrieb etc.) ist es aus meiner Sicht zuvorderst das historisch immer monströser gewordene Missverhältnis der jeweiligen Massen von Transportmittel und Transportgut (Fahrer, evtl. Mitfahrer, Gepäck) in unserem Individualverkehr, was rein physikalisch eigentlich nur noch als eine Perversion des Fortschritts bewertet werden kann.

Das Übergewicht von Fahrzeug zu Fahrer liegt bei den meisten Personenkraftwagen auf unseren Straßen schon deutlich über 20:1 (nicht selten sogar bei 50:1 oder noch höher)!

Doch auch ich selbst liebe die Freiheit des Individualverkehrs viel zu sehr, um ihn grundsätzlich in Frage stellen zu wollen.

Was uns die bisherigen Entwicklungen - in Gestalt von am Markt auch ganz gewöhnlich verfügbaren Produkten - gebracht haben, ging (und geht) jedoch aus dieser physikalischen Perspektive in eine völlig falsche Richtung, und zwar tatsächlich nur im Hinblick auf das Fahrzeuggewicht.

In dieser Hinsicht ist die bis dato im Vergleich zu Diesel und Benzin noch so viel geringere Energiedichte von Akkuzellen natürlich das Hauptproblem.

Eine dementsprechend drastische Vervielfachung der Kapazität (im Verhältnis zur Masse) ist leider noch nicht absehbar, trotz beachtlicher Fortschritte der Zellenhersteller.

Jegliche angemessene Lösung für dieses aus dem zweiten Newtonschen Gesetz resultierende Problem kann jedoch grundsätzlich nur damit beginnen, möglichst viele Einzelfahrzeuge wesentlich leichter werden zu lassen!

Ein 'Top-Down'-Lösungsansatz hierfür müsste sich insbesondere darin zeigen, dass die marktbeherrschenden Fahrzeughersteller eben nicht nur elektrifizieren, sondern bestenfalls völlig neue Formen (Fahrzeugklassen) preislich so attraktiv anbieten, dass ein massenhafter Absatz auch ohne staatliche Interventionen ganz von selbst entstünde, doch auch die gewohnten Klassen (Roadster, Kombi, Van etc.) ließen sich über Materialwahl und Fertigungstechnik schon deutlich erleichtern, was jedoch evtl. Verteuerungen mit sich brächte.

Es ist für unser Land leider symptomatisch, dass einige wirklich lobenswerte Initiativen deutscher Autokonzerne mittlerweile wieder völlig in der Versenkung verschwunden sind (Karbonkarosserie beim BMW i3, Leichtbau-Raumwunder A2 von Audi, '1-Liter-Auto' als Prototyp von VW etc.), aber dahingehend will ich hier auch gar nicht weiter polemisieren, sondern mich nur darauf konzentrieren, welche Alternativen der einzelne Konsument (mit kleinem Budget) nun tatsächlich hat.

Bzw. was in meinem Falle zum physikalischen Optimum wurde: ein sogenanntes S-Pedelec!

Auf die Schnelle sei hier nur dessen wichtigster Vorzug genannt, denn dass sein Motor auch noch bis 45 km/h mittreten darf, ist für mich ganz klar vorrangig (im Gegensatz dazu wurde dieses Limit vom Gesetzgeber für normale E-Bikes auf nur 25 km/h beschränkt).

Für meine - so seit einigen Jahren bestehenden - Verhältnisse der Alltagsmobilität hat sich das S-Pedelec inzwischen (seit Spätsommer 2024 mit etlichen Tausend Kilometern pro Jahr) tatsächlich als optimal erwiesen, doch natürlich kann das für viele meiner Mitmenschen auch ganz anders aussehen.

Wer beispielsweise tägliche Einzelfahrten weit jenseits der Größenordnung von 10-20 km absolvieren muss, benötigt mit den 45 km/h eines solchen Speedpedelecs (wie diese Fahrzeugklasse in der Schweiz und den Benelux-Ländern oft genannt wird und wo sie auch viel stärker verbreitet ist als hier in Deutschland) evtl. schon unzumutbar längere Fahrzeiten.

Doch für meinen Alltag passt es wirklich gut, und der ewig strenge Physiker im Hinterkopf schaut nun auch schon gar nicht mehr so kopfschüttelnd auf mich herab.

Alles nur Newton? Mag sein. 🤗


¹ - Ein paar technische Daten (und physikalisch bedeutsame Zahlen) zum oben abgebildeten Fahrzeug: Direktantrieb der Hinterradnabe mit dem Z20 RS von neodrives, prinzipbedingt unschlagbar effizient auf flacher Strecke und dadurch ebenso ggfs. sogar völlig ungeeignet für längere bzw. häufigere starke Anstiege (mit unvermeidlichem Tempoverlust), mit größtmöglicher Unterstützungsstufe im typischen Stadtverkehr oft allen anderen Fahrzeugen beim Ampelstart voraus (Zauberwort Leistungsgewicht plus Sofort-Drehmoment eines elektrischen Heckmotors), sehr bequem wechselbarer Akku mit ca. 650 Wh brutto ausreichend für ca. 20-30 km bei annähernd durchgängigen 40-45 km/h mit tüchtigem Strampeln (mind. 70-80 U/min) plus Vollgas (auf flacher Strecke ohne Gegenwind), Fahrrad (mit Akku darin) in der Größenordnung von ca. 30 kg, Akku mit neueren Zellen problemlos auf über eine kWh erweiterbar.



Wer sich für S-Pedelecs interessiert, landet recht schnell in der Schweiz oder dem Benelux-Ausland. Mir ist aber auch eine schöne Website aus Deutschland speziell zu dieser Thematik aufgefallen:

pro-s-pedelec – push für die verkehrswende