„Menschenbeifall“
„Ich bin zerrissen von Liebe und Haß“: Mit solchen Sätzen charakterisierte Friedrich Hölderlin (1770–1843) ab dem Sommer 1797 seine heillose Situation als Hauslehrer bei der Frankfurter Bankiersfamilie Gontard. Seine Leidenschaft zu Susette Gontard blieb unerfüllt. Im Frühjahr 1798 schrieb er dann die kurze Ode „Menschenbeifall“, die den Widerstreit seiner Empfindungen und die öffentliche Reaktion auf seine inneren Zerrissenheiten zu objektivieren sucht.
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Im September 1798 kam es zum Bruch mit Susette – eine Wunde, die sich nie wieder schloss.
Michael Braun (aus: „Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2009“, Verlag Das Wunderhorn, 2008)
Nun ja, die Leidenschaft zur Liebe seines Lebens lapidar als „unerfüllt“ abzutun, obwohl diese doch so viele Monate eines gemeinsamen alltäglichen Miteinanders in häuslicher Geborgenheit haben durfte, mag wohl ein allzu verkleinerndes Urteil sein.
Nur Susette und Friedrich selbst konnten überhaupt auch wissen, wie es um ihre damalige Erfüllung stand, und vielleicht noch nicht einmal sie selbst, beide seinerzeit noch keine 30 Jahre alt — und viel älter durfte die einzig je so Geliebte dann schließlich auch gar nicht mehr werden.
Wie sich nun zeigt, war auch die seither nur fortlaufend wiederholte Mär vom dann noch jahrzehntelang in Umnachtung dahinvegetierenden Hölderlin wohl doch allein das: eine elendige Mär.





