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„Sind Weiber Menschen?“

Zeichnung von Hannelore Piotraschke: Pastellkreide auf Pastellkarton, 45 x 41 cm, 1986
Hannelore Piotraschke: Pastellkreide auf Pastellkarton, 45 x 41 cm, 1986

„Als ich vor mehr als 50 Jahren an der Wiener Universität Mathematik und Physik zu studieren begann, war ich sehr stark beeindruckt von der neuen Gedankenwelt, die mir eröffnet wurde. […]

Infolgedessen habe ich auch sehr wenig über die Entwicklung der Frauenbewegung gewusst.

Vor allem war mir nicht klar geworden, was sie für die verschiedenartigsten Probleme bedeutet, die das individuelle Leben und das Gemeinschaftsleben in der menschlichen Gesellschaft in sich schließen.

Natürlich hatte ich das eine oder andere über die Frauenfrage gelesen.

Aber ich glaubte nicht, dass etwa ein Buch wie »Der physiologische Schwachsinn des Weibes« von Möbius, obwohl es von 1900 bis 1922 in 12 Auflagen herauskam, oder das 1910 erschienene Buch von Max Funke »Sind Weiber Menschen?« mit dem Untertitel »Mulieres homines non sunt« ernst genommen und widerlegt werden musste.

Später habe ich begriffen, wie irrtümlich diese meine Auffassung war und welchen Dank jede speziell in einem geistigen Beruf tätige Frau den Frauen schuldig ist, die um die Gleichberechtigung gekämpft haben.“

Lise Meitner, 1953 (Radiovortrag)